Bester Sprinter

Geschrieben von killhill am .

5. Etappe Tour de France André Greipel (Lotto Soudal) hat am Sonntag in Valence bereits seinen dritten Etappensieg bei der 102. Tour de France geschafft. Für seinen Teamchef Marc Sergeant ist er schon jetzt „der beste Sprinter der Tour“.

Das war im vergangen Jahr noch anders, als er im Schatten seines diesmal fehlenden Landsmannes Marcel Kittel stand. Die „L`Équipe“ feierte Greipel am Montag auf ihrer Titelseite („Optimal gelaufen“) - was einem Ritterschlag gleichkommt. Die Leitung seines belgischen Teams war schon vor Ende der Etappe ziemlich sicher, dass ihr Kapitän wieder zuschlägt. Sie wies die Hotelleitung des Teamquartiers an, Champagner kalt zu stellen.

Für Greipels bisher überragendes Abschneiden gibt es mehrere Gründe.

Das Team: Das komplette Tour-Aufgebot ist auf Greipel ausgerichtet. Hatte das Team in früheren Jahren noch Ambitionen im Gesamtklassement (Jurgen van den Broeck) oder sogar einen zweiten sprintstarken Siegfahrer am Start (bis 2012 Philippe Gilbert), geht es in diesem Jahr einzig um Etappensiege. Im Sprintzug – der auch den Ausfall von Greipels „Lead out Man“ Greg Henderson bravourös weggesteckt hat, greift ein Rädchen ins andere. Marcel Sieberg erweist sich wieder einmal als wertvoller, uneigennütziger Helfer, und als der Bocholter gestern schon früh abgehängt wurde, übernahm der Belgier Jens Debusschere im Finale dessen Rolle und lotste den „Gorilla“ nach vorn. Sogar der Franzose Tony Gallopin, im Gesamtklassement noch aussichtsreicher Neunter, stellt sich in der Sprintvorbereitung ganz in Greipels Dienst.

Die Form: Greipel hat es geschafft, sich rechtzeitig für den Saison-Höhepunkt in Form zu bringen. In früheren Jahren haftete ihm der Makel an, vor allem „beschissene kleine Rennen zu gewinnen“, wie sein Rivale Mark Cavendish mal abfällig äußerte. Doch seit seinem Wechsel zum belgischen Lotto-Team im Jahr 2011 hat Greipel bei bisher fünf Tour-Teilnahmen immer mindestens eine Etappe gewonnen. Neun sind es bereits insgesamt, womit er in der deutschen Bestenliste nur noch Erik Zabel (zwölf Erfolge) vor sich hat. In diesem Jahr ist der 33-Jährige zudem später in die Saison eingestiegen, hat auf die Tour Down Under, eines seiner erklärten Lieblingsrennen verzichtet, um nicht schon zu früh in Topform zu sein. Auch der geänderte Rennkalender scheint also eines der Erfolgsgeheimnisse zu sein.

Die Cleverness: Verlor er früher in den hektischen Sprint-Finals schon mal den Überblick und verspielte so aussichtsreiche Positionen, zeigt sich Greipel mittlerweile clever und gereift. Sein Meisterstück lieferte er auf der 2. Etappe ab, als er seinen ewigen Rivalen Cavendish in Zeeland im Wind stehen ließ und zum psychologisch so wichtigen frühen ersten Sieg sprintete. Zudem hat Greipel bewiesen, dass er auch ohne seinen Sprintzug problemlos Etappen gewinnen kann. In Valence etwa schnappte er sich auf dem Schlusskilometer das Hinterrad von Alexander Kristoff und setzte von dort aus zum siegbringenden Sprint an. Nicht einmal von Schaltproblemen ließ er sich aus dem Konzept bringen.

Rennhärte: Eine Bergetappe wird Greipel nie gewinnen, am ersten Hügel lässt sich der Rostocker aber schon lange nicht mehr abhängen. Der zweimalige Deutsche Meister weiß sich zu quälen und zählt mittlerweile zu den Sprintern, denen die Berge am wenigsten Probleme bereiten. Auf dem Weg nach Valence konnte er sich gestern im Feld halten, während etwa Cavendish schon in der Frühphase des Rennen abreißen lassen musste. Schon in den Klassikern im Frühjahr hatte Greipel seine Rennhärte unter Beweis gestellt.